Weihnachtszeit: Ein Versuch der Entschleunigung

” Wenn du ein Träumer bist, komm herein!

Wenn du träumst und lügst und Wünsche hast,

wenn du fromm bist und Zauberbohnen magst,

wenn du ein Aufschneider bist-

komm, setz dich ans Feuer!

Wir erzählen uns Märchen, du und ich,

seltsam und golden und nicht ganz geheuer.

Komm herein!

Komm herein!”

Shel Silverstein

Wie oft hört man in der Vorweihnachtszeit, wie stressig doch alles sei und wie hektisch. Den wahren Sinn der Weihnacht’ haben wir längst vergessen. Geschenkejagd, Plätzchenstress, gereizte Mitmenschen und mittendrin wir. Nun, ganz davon freimachen kann auch ich mich nicht. Jedoch, die Adventszeit im Waldkindergarten gestalte ich sehr bewusst stress- und terminarm. Auch wenn dafür interessante Angebote hinten anstehen müssen oder Termine nicht wahrgenommen werden ; dort oben im Wald ist Ruhe, Vorfreude und Gelassenheit angesagt. Die Kinder spüren ohnehin die Aufregung und Geschäftigkeit ihres Umfeldes und sind quirliger als den Rest des Jahres. Jede Kollegin, jeder Kollege in anderen Kindertageseinrichtungen  kennt dieses Phänomen. Da heisst es einen Gegenpol zu schaffen . Die Kinder sind dankbar dafür. Wir schauen von dort oben auf das hektische Treiben in der Stadt, bereiten derweil Futterglocken für die einheimischen Vögel, staunen über die Rehspuren  im Schnee oder freuen uns am Glanz der ersten Adventskerze.

Wir erzählen uns die Geschichte von der Weihnachtsmaus, die dafür verantwortlich ist, dass das Weihnachtsgebäck schon lange vor dem Fest wie von Zauberhand verschwindet. James Krüss sei Dank!

Jeden Tag darf eines der Kinder ein Säckchen am Adventskalender öffnen und die Zaubernuss ganz nah ans Ohr halten und schütteln. Sie birgt ein Geheimnis und mithilfe des Nußknackers wird es dann gelüftet: ein Edelstein!

Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien schmücken die Waldkinder einen Baum für die Tiere im Wald, den sie selbst aussuchen. Versteckt im Dickicht steht dann ein Baum, behangen mit Möhren, Äpfeln und vielem mehr, den wir zum Abschluß umringen und Weihnachtslieder  singen. Dann wandern wir zu der aus Ästen und Zweigen selbstgebauten Krippe und laden die Familien der Kinder ein uns zuzuschauen. Das Märchen von der Frau und dem Mann, die in einer kalten Winternacht eine Bleibe suchen und deren Kind in einem Stall geboren wird, spielt auch im Waldkindergarten eine Rolle. Wir lehnen uns dabei an das Buch ” Weihnachten im Stall” von Astrid Lindgren an. Die Kinder dürfen mitentscheiden, welche Figuren mitspielen dürfen in der Geschichte und so hatten wir auch schon einmal einen Frosch dabei.

” Engel?

Gesehen nie.

Gehört einiges.

Manchmal- öfter schon,

wenn’s mich gerade

so im letzten Moment zurückhält

von was, das schlimm verkehrt wär,

dann frage ich mich doch:

Ob das ein Engel war?

Oder was sonst?

Was denn?

Etwas war’s.”

Hilde Roth

Heute Nacht hat es zu schneien begonnen. Zeit für einen Spaziergang mit dem Hund durch den Deister. Hell ist es geworden und das tut gut nach dem Grau der vergangenen Tage. Ein Rotkehlchen schüttelt den Schnee von den Ästen. Der Hund sucht nach seinem Stöckchen und wir genießen die kalte, klare Luft.

Es ist in jedem Jahr wieder eine Herausforderung den Weihnachtsstress vor der Tür zu lassen. Er schleicht sich gern doch hinein mit einem noch zusätzlich angenommenen Termin oder dem Wunsch, ein perfektes Weihnachtsmenu in einem schön geschmückten Ambiente zu servieren. Von Jahr zu Jahr habe ich es reduziert auf das, was für mich wirklich wichtig und unverzichtbar ist. Eine gewisse Konsequenz ist hier unabdingbar. Als die Kinder klein waren, war mehr Fülle und mehr Glanz und auch diverse Weihnachtsfeiern mussten absolviert werden. Nun ist mehr Ruhe und Gelassenheit und die Termine  lassen Raum für Entspannung.

Winterwunschnacht

” Kalt ist’s, der Atem dampft gegen die Laternen, und über der Mütze schnuppt ein Stern quer in den Himmel.

Wünsch dir was, wünsch dir was, was keiner von uns erfüllen wird, und behalte den Wunsch für dich, damit er wachsen kann.

Und jetzt wünsch dir was, was ich erfüllen kann, und sag’s mir ins Ohr, ich will dein Wunscherfüller sein.

Da schnuppt schon wieder einer quer in den Himmel, jetzt wünsch ich mir was.

Kalt ist’s, der Atem dampft gegen die Laternen.”

Fritz Deppert

Schöne Vorweihnachtszeit!

Die Waldtochter

Tonscherben auf dem Mist, oder: Geschichte zum Anfassen.

In meinem Beitrag ” Schätze auf dem Stoppelfeld” habe ich Euch  erzählt von Keramikscherben, die die Waldkinder von Zeit zu Zeit in den Ackerfurchen am Deisterrand finden. Woher stammen sie? Und wie gelangten sie auf die Felder? Um solche Fragen zu klären, nehme ich ein Buch in die Hand um es herauszufinden. Häufig dann im Anschluß das Telefonbuch. Denn dann rufe ich jemanden an, der sich besser damit auskennt als ich. In diesem Fall eine Keramikrestauratorin, die auch eine ehemalige Waldmutter ist und aktiv das Museum in Bad Münder mitgestaltet. Vor einigen Jahren gab es dort eine Sonderausstellung ” Von Pottland in die ganze Welt”. Ich war mir sicher, sie kann uns etwas über unsere Scherben erzählen. Deshalb machte ich mich gemeinsam mit den Vorschulkindern auf den Weg in die Stadt; im Gepäck unsere Fundstücke.

Wir breiteten diese auf dem großen Museumstisch aus und Monika war begeistert. Zum größten Teil hatten wir Scherben gefunden, die von Töpferwaren aus münderscher Produktion stammten. Was Ton ist, wussten die Kinder, denn wir hatten erst vor kurzem selbst getöpfert im Waldkindergarten.

Eine der Scherben  konnte die Keramikrestauratorin sogar einem Gefäß aus dem Mittelalter, einer Art Milchschale zuordnen. Wie toll! Eine weitere entpuppte sich als Teil eines Standbeines einer sogenannten Kochgrape, dem damaligen Kochgeschirr.

Wir waren erstaunt und begeistert. Nachdem wir uns das große Wandrelief angeschaut hatten, auf dem der Fundort einer größeren Tongefäßmenge dargestellt war, gingen wir gemeinsam zum Bürgerhaus  hinüber

.

Hier handelt es sich um ein vom Museum aufgekauftes , 1752 erbautes Fachwerkhaus. Es wurde mit großer Liebe zum Detail von engagierten Museumsmitarbeitern in den Zustand um 1880 zurück versetzt, als ein Schuster mit seiner Mutter und Schwester dort lebte. Hier wollten wir dem Geheimnis der Scherben von den Feldern auf die Spur kommen.

Die Kinder konnten die alte Räucherküche mit der offenen Feuerstelle anschauen; sie erfuhren, dass auch der Stall für die Kuh mit ins Haus integriert war. Sie sahen die Schlafstube, zu der man über eine steile Treppe gelangte und sie tappten fast in das Fettnäpfchen, das unter dem aufgehängten Schinken in der Diele steht.

Richtig interessant wurde es dann auf dem Hinterhof des Hauses. Dort befindet sich das Plumpsklo über dem Misthaufen. Erstaunt stellten die Kinder fest, dass es zur Zeit des Schusters noch kein Klopapier gab und stattdessen ein Körbchen mit Heu bereit stand.

Neben dem Klo dann der Misthaufen, auf dem damals alles landete, was nicht mehr gebraucht wurde; unter anderem auch kaputte Schalen, Tassen oder Teller. Zweimal im Jahr brachte man diesen Mist mit Karren dann auf die Felder rund um die Stadt und somit war klar: wir hatten die Antwort auf unsere Frage gefunden.

Ich bin sicher: diesen Teil Geschichte unserer Stadt werden die Kinder verinnerlicht haben, denn sie war zum Anschauen und Anfassen. Sie haben auf diese Weise Gelegenheit bekommen die geschichtlichen Zusammenhänge ganz plastisch zu erfahren. So geht Geschichte, zumindest dann, wenn man noch nicht lesen und schreiben kann. Sich gemeinsam auf die Suche machen, Orte besuchen und Menschen befragen; so möchte ich den Kindern Möglichkeiten aufzeigen, wie sie  Wissen über ihren Lebensraum und dessen Geschichte bekommen.

” Museum habe ich mir aber ganz anders vorgestellt”, so sagte eines der 5- jährigen Mädchen. Wie, das wollte sie nicht sagen. Vielleicht konnte sie das auch nicht, weil da ganz andere Bilder in ihrem Kopf gewesen waren und nun erstmal verknüpft werden mussten mit dem gerade Erlebten. Es ist so spannend die Kinder dabei begleiten zu dürfen. Ich freue mich schon auf unsere nächste Entdeckung und den ganz natürlichen Forscherdrang der Kinder, den ich gern unterstütze!

Eure Waldtochter

 

 

Herzlichen Glückwunsch, Frederick!

Seit 50 Jahren sammelt  “Frederick “, die kleine Feldmaus im gleichnamigen Bilderbuch von Leo Lionni schon Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, während seine Mäusefamilie Samen, Körner und Nüsse für den Winter sammelt. Nachdem in der alten Steinmauer, in der die Feldmäuse leben, alle Vorräte aufgebraucht sind, sorgt der kleine, verträumte Frederick dafür, dass den Mäusen trotzdem warm wird, indem er die Sonnenstrahlen, die Farben des Sommers und die gesammelten Geschichten und Gedichte in die Köpfe der Mäuse zaubert.

Ein wunderbarer Klassiker, den auch meine Waldkinder in jedem Jahr wieder gern erzählt bekommen. Begeistert spielen sie die Geschichte nach.” Ich bin Frederick!” So schlüpfen sie in die Rolle der kleinen Feldmaus, schliessen die Augen und fühlen die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut.

Frederick steht mir persönlich sehr nah… ich kann mich mit dem Naturell des Tagträumers wunderbar identifizieren. Stundenlang kann ich auf einer Wiese liegen und geniesse es, wenn   die Schatten der Wolken vor meinen geschlossenen Augen vorbei ziehen. Das sind unglaubliche Glücksmomente, die mich erden und kein Smartphone der Welt kann damit konkurrieren.

An Frederick musste ich denken, als ich gestern bei wunderbarem Sonnenschein und blauem Himmel mit den Kindern durch den Wald zog. Die goldene Farbe des Buchenlaubes, das letzte Grün der Büsche, die weissen Wölkchen….alles war wie perfekt aufeinander abgestimmt. Ein Fest der Farben.

Wir hielten an der grossen Wiese an und wendeten unsere Gesichter der Sonne zu. Sie wärmte uns und es war, als speicherten wir diese Wärme für die kalten und grauen Tage, die uns nun bald bevorstehen. Unsere Vorräte sind angelegt. Viele Erlebnisse und Waldgeschichten haben wir gesammelt für die Wintertage im Deister. Bei Kerzenschein wird dann der Erzählstein herumgereicht und ich werde wieder diese innere Gewissheit spüren, dass die Zeit im Waldkindergarten auch in der Erinnerung eine ganz besondere bleiben wird für die Kinder.

“Frederick, Du bist ja ein Dichter! ” Ich weiss, Ihr lieben Mäusegesichter…”

Ich wünsche mir, dass Frederick noch mindestens weitere 50 Jahre die Kinder begeistert und es immer Menschen gibt, die den Kindern Geschichten erzählen.

Herzlichen Glückwunsch, kleine Feldmaus!

Deine Waldtochter

Quelle:” Frederick” von Leo Lionni im Beltz-Verlag

https://www.beltz.de/kinder_jugendbuch/produkte/produkt_produktdetails/7545-frederick.html

„ Ist das nicht ein bisschen weltfremd?“

Vor einigen Tagen gingen wir mit Klaus, dem kleinen Mischlingshund spazieren nahe des Bauwagens am Waldkindergarten. Häufig ist es am Wochenende so, dass zahlreiche Spaziergänger am Deisterhang unterwegs sind und dann anschliessend  im Berggasthaus Ziegenbuche einkehren, um den wunderbaren Kuchen, die Gastlichkeit und den unbezahlbar schönen Ausblick tief in das Weserbergland zu geniessen.

So auch an diesem Tag. Oft beobachte ich dann , dass Menschen vor dem Bauwagen in unmittelbarer Nähe des Gasthauses stehen und sich fragen, wer dort sein Domizil hat. Diesmal war es ein Ehepaar mit Sohn und Freundin. Die junge Frau fragte grad, wo denn wohl hier der Waldkindergarten sei; sie sähe  hier gar kein Gebäude. Ich  hatte den Schlüssel für unseren Bauwagen  dabei und sie freuten sich, als ich ihnen anbot einen Blick hinein zu werfen. „ Hier sieht es aus wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen“, bekomme ich dann schonmal zu hören. Das Ehepaar war sehr interessiert und ich gab bereitwillig Auskunft; bin halt auch immer stolz auf unseren Kindergarten, den wir vor 18 Jahren gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Erstaunt war ich allerdings, als der Mann mich fragte, ob das nicht ein bisschen weltfremd sei, wie wir dort oben im Deister mit den Kindern arbeiten. Als ich noch jünger war, hätte ich vermutlich empört oder trotzig reagiert. Nun aber, nach achtzehn Jahren Erfahrung in der Waldpädagogik, freute ich mich auf eine anregende Diskussion.

Ich erklärte ihm, dass ich der Meinung bin, es ist ganz nah an der Welt, was wir dort tun. Unsere Welt besteht aus Natur, alles andere ist menschengemacht. Was liegt da näher als die Kinder an den Ursprung zurück zu führen? Dorthin, wohin sie ohnehin ganz selbstverständlich gehören und sich zugehörig fühlen. Dorthin, wo sie Kind sein können und geerdet.

Unsere technologische, digitalisierte und zugebaute Welt ist in meinen Augen weltfremd, gab ich ihm zu verstehen. Ich wusste natürlich, wie er seine Frage gemeint hatte. Er hat Sorge, dass die Kinder aus dem wohlbehüteten, idyllischen kleinen Kosmos des Waldes kommen und sich dann in der harten Realität nicht zurecht finden und behaupten können. Doch nur wer schon als Kind eine gute Erdung erfährt, sich beweisen kann, seine Kräfte kennenlernt, Selbstbewusstsein und Selbständigkeit erlangt, wer Stille und Entspannung erlebt, der ist gewappnet für die Welt und sie ist ihm nicht fremd. Ich freute mich, als ich sah, dass der Besucher es versteht.  „ Stimmt schon, und die technologische Welt kommt noch früh genug auf sie zu“. Genau!

Wichtig ist, Kinder zu respektieren, sie zu wertschätzen.

Jede Erzieherin, jeder Erzieher, jede Lehrerin, jeder Lehrer, alle sollten wir uns am Ende des Tages fragen: „Ist es jedem einzelnen Kind bei mir gut gegangen heute? Habe ich es wahrnehmen können mit seinen Bedürfnissen?“

Von Zeit zu Zeit vermisse ich diese emphatische Haltung, wenn ich die Arbeit in Kitas und Schulen beobachte. Immer, auch nach vielen Berufsjahren sollten wir uns reflektieren und unser Verhalten hinterfragen. Oft sind es auch die Rahmenbedingungen, die die Kollegen stressen und es ihnen nicht möglich machen, adäquat auf die Kinder einzugehen. Personalmangel ( und ich meine qualifiziertes Personal), zu grosse Gruppen, immer frühere Beschulung. Die Gesellschaft ist nicht auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet, sondern das Kind muss sich in die Gegebenheiten einfügen. Die Politik gibt Wege vor, die dann von den Kindern, Eltern und Pädagogen beschritten werden müssen. Die Auswirkungen dieser Fehlentwicklungen werden wir vermutlich erst in zwanzig Jahren oder später zu spüren bekommen.

Was habe ich es gut mit meinen fünfzehn Waldkindern, die ich gemeinsam mit zwei Kollegen gut betreuen und im Blick haben kann.

Ich bin sehr dankbar dafür.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag!

Eure Waldtochter

Hier noch ein Link zu der Freien Schule Weserbergland, die noch sehr jung ist und eine spannende Entwicklung durchlebt:

http://www.freie-schule-weserbergland.de/

Finchen schmeckt es auch!

Heute wurde bei uns im Waldkindergarten Apfelsaft gepresst. Tage zuvor hatten wir bei netten  „Waldnachbarn“ auf der Pferdekoppel Äpfel sammeln dürfen.

“ In meinem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus,

es sind darin fünf Stübchen, grad wie in einem Haus!“

Schnell waren die Körbe gefüllt und wir hatten noch Zeit die Galloway-Kälber zu bestaunen, die uns friedlich wiederkäuend von der anderen Seite des Zaunes zuschauten.

Heute nun bauten wir die Apfelpresse des NABU auf, die wir uns jedes Jahr ausleihen dürfen. Die Kinder erfahren, woher Lebensmittel kommen, wie und aus was sie hergestellt werden. Das ist uns wichtig und lässt bei den Kindern eine Wertschätzung entstehen. Gemeinsam wird gewaschen , geschnippelt, kleingehäckselt und letztendlich gepresst. Heraus kommt wunderbar süss schmeckender, frischer Apfelsaft!

Der wird dann mithilfe eines Trichters in die mitgebrachten Flaschen umgefüllt und im Abschlusskreis gibt es für alle, die möchten eine Kostprobe.

Und wen entdeckten wir da in einem unserer Apfelkörbe? Finchen! Man muss wissen, alle Schnecken hier im Wald heissen irgendwie Finchen. Das muss wohl an unserer Handpuppe liegen, die den Waldkindern regelmässig Geschichten erzählt oder auf ihre ganz eigene Art und Weise Naturzusammenhänge erklärt.

Die Waldkinder wissen um die Nützlichkeit der Wegschnecke. Sie ist ein Allesfresser und verhindert Seuchen und Krankheiten im Wald, indem sie auch Aas frisst. Sie sorgt für Artenvielfalt, da sie zahlreichen Vögeln,Reptilien und Säugetieren als Nahrung dient.

Nun, Finchen tat sich gütlich an unseren Äpfeln und fühlte sich vermutlich wie im Schlaraffenland.Sie posierte gar vor der Kamera und ließ sich nicht stören. 

Nachdem wir den köstlichen Apfelsaft abgefüllt hatten und im Abschlusskreis zusammen saßen, fragten wir uns, wo Finchen wohl geblieben sei. Eines der Kinder rief plötzlich“ Da ist sie! Sie ist wohl noch nicht satt!“ Sie hatte mittlerweile den großen Kürbis erklommen, der seit unserem Erntedankfest auf dem Waldtisch thronte.

“ In unsrem Wald, da kriecht ne Schnecke.

Sie kommt ganz langsam nur vom Flecke.

Sie hat die Fühler ausgestreckt… Oh Schreck! Jetzt hat sie mich entdeckt!

Sie zieht die Fühler ein , und kriecht ins Schneckenhaus hinein.“

So heisst es in einem Fingerspiel, das die Waldkinder häufig am Ende des Frühstücks miteinander spielen.

Stolz nahm jedes der Kinder eine Flasche mit selbstgepresstem Saft mit nachhause. Und das Wissen darum, woher der Saft kommt und wie er schmeckt , wenn er frisch aus der Saftpresse kommt.

Morgen werden wir einen Ausflug zum Mesenstein machen. Der birgt eine geheimnisvolle, dunkle Geschichte. Aber die erzähle ich Euch ein anderes Mal.

Eure Waldtochter

 

„ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“

Etwas weiches, etwas hartes, etwas stacheliges, etwas besonderes, etwas , das gut riecht…. Lang war die Liste der Dinge, die zwölf ehemalige Waldkindergarten-Kinder im Wald sammeln sollten an diesem wunderbaren, sonnigen Herbsttag im Deister.

Zweimal im Jahr laden wir die ehemaligen Kinder zu uns in den Wald ein, um ihren alten Kindergarten zu besuchen. Wir überlegen uns ein kleines Programm, aber selbst das könnten wir uns sparen. Beseelt von den Erinnerungen sind die Kinder einfach zufrieden damit, in  „ihrem Wald“ zu sein. Bekannte Plätze wiederzusehen, wieder einmal das Schnitzmesser in der Hand zu halten, am Lagerfeuer eine Kürbissuppe zu essen, den Waldgeräuschen zu lauschen… mehr braucht es nicht an diesem Tag.

Sie bekamen nach der Begrüssung eine Such-Liste und machten sich auf den Weg. Die „ Steinklippen“ und der „ Tannenwaldi“, dies waren die beiden Plätze, an die sie sich sofort erinnerten und die sie besuchen wollten. Unterwegs suchten sie emsig und verglichen, was ihnen noch fehlte.

Strahlender Sonnenschein begleitete uns und plötzlich spürte ich eine Kinderhand in meiner, genau wie früher, nur mit dem Unterschied, dass das ehemalige Waldkind nun schon die zweite Klasse besucht. Ich spürte eine innige Verbindung zu mir als Erzieherin und zur Natur, in der sie sich ganz selbstverständlich bewegten, so als seien sie mal wieder zuhause vorbei gekommen.

Was für ein Glücksgefühl, diese Kinder dabei zu beobachten, wie sie tief einatmen und sich zuhause fühlen. Wunderbar zu erleben, dass ihr Bezug zur Natur Wurzeln geschlagen hat in ihnen und die Arbeit im Wald mit ihnen sie geprägt hat.

Nachdem wir einen ausgedehnten Spaziergang zu den Plätzen ihrer Kindergartenzeit unternommen hatten, kamen wir wieder am Bauwagen an. Wir entzündeten ein Lagerfeuer und stärkten uns an Bratwürstchen, die wir auf Stöckchen spießten und einer wärmenden Kürbissuppe. Ich musste sie mehrmals zum Essen rufen, so beschäftigt waren sie mit dem Bau einer Seilbahn , dem Schnitzen oder Klettern. Ein Mädchen malte ein Bild und schenkte es dem Kindergarten.

Die kleinen Naturmaterialien, die sie mithilfe der Liste gesammelt hatten, legten sie gemeinsam zu einem Wald-Mandala zusammen.

Ein solcher Tag ist eine grossartige Bestätigung unserer Arbeit. Kinder brauchen die Natur, und nicht nur sie. Auch ihre Eltern die gegen Abend dazu kamen , äusserten ihr Empfinden so: “ Wie schön ist es, mal wieder hier zu sein“. Kleine Aus-Zeiten im Wald, ein Spaziergang durch die Feldmark, wenn wir das wirklich wollen, können wir alle es täglich in unser Leben einbauen. Die Stimmung im Wald, die veränderten Lichtverhältnisse, die Stille erleben, all das stärkt uns für unseren Alltag und setzt Glückshormone frei.

So auch heute  im Deister, als eines der Mädchen vor mir her ging und sich zu mir umdrehte: „ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“, sagte sie mit einem Leuchten im Gesicht.

Bei mir auch.

Danke dafür.

Eure Waldtochter

 

 

 

Erntedank im Wald

Reich gedeckt war unser Tisch im Waldkindergarten gestern beim Erntedankfest. „ Was habt Ihr mitgebracht? Wo wächst es? Was kann man damit machen?“ Die Kinder hatten verschiedene Ideen, wem man für die Ernte danken kann: Gott, dem Bauern, Mutter Erde…Die Waldkinder haben hierzu ihre ganz eigenen Ideen.

Eines der Kinder hatte sich im Gesicht mit Ornamenten geschmückt und sagte, sie wolle danken, dass es sie gibt. Und wem? „ Na, der Mutter Erde! Und Mama und Papa!“

Das ist es, was mich immer wieder in Staunen versetzt und glücklich macht. Die Kinder begreifen sich noch ganz intensiv als einen Teil des Ganzen, als Naturwesen . Ganz selbstverständlich lassen sie sich auf die Natur ein und fühlen sich eingebettet in den Kreislauf. Das ist ein großer Schatz und es liegt an uns Erwachsenen ihn zu hüten.

 

Die Kinder hatten beim Erntedank ihre Eltern , Geschwister und Großeltern eingeladen in den Wald zu kommen. Schon Tage vorher wurde im Spiel „ Waldsuppe“ gekocht. Nun waren sie emsig damit beschäftigt Kartoffeln, Möhren und Kürbis zu schneiden und auf dem Kocher entstand eine leckere Kürbissuppe für alle.

Ein Waldtheaterstück von der Zauberkartoffel wurde aufgeführt und Prinzessin Tausendschön musste dem Krokodil ihren rotbackigen Apfel wieder abluchsen.

 

Am Ende gab es noch ein  Fingerspiel, in dem es um das gemeinsame Handeln ging. Fünf Finger können nur zusammen einen Apfel heben, allein schafft es keiner von ihnen. Dem kleinsten der Finger fällt das ein , wie sinnbildlich erscheint mir das. Den Kindern genau zuhören, auch wenn wir häufig keine Zeit dafür haben im hektischen Alltag. Sie wissen mehr als wir glauben und stellen Zusammenhänge her, die ganz einfach und logisch sind. Ihre Wahrnehmung ist noch nicht gestört von allzu vielen Reizen, Einflüssen und Irritationen. Wir können eine Menge von ihnen lernen.

Erntedank ist eine gute Gelegenheit , mit den Kindern zu kommunizieren und sich auf ihre Gedanken einzulassen. Vielleicht ein paar Hagebutten im Wald „ ernten“ oder zusammen über das Stoppelfeld laufen um zu schauen, ob noch Kornähren dort liegen als Überbleibsel der Ernte.

Wir haben als Kinder noch in den 70er Jahren auf dem Kartoffelfeld gesessen , haben mit den abgetrockneten Kartoffelpflanzen ein kleines Lagerfeuer entfacht und nach Kartoffeln gesucht, die wir uns dann geröstet haben.  Wer kann sich auch noch erinnern an solche Momente am Stadtrand?

Ich wünsche Euch allen einen schönen Erntedank-Tag heute!

Eure Waldtochter

 

Endlich Kürbiszeit!

Wie habe ich schon sehnlichst auf die Kürbiszeit gewartet! Aber nun ist es ja soweit und heute gab es auch gleich die erste Kürbis-Suppe bei uns. Bei uns? Wer wir sind, das möchte ich Euch bei der Gelegenheit einmal vorstellen.

Wir, das sind mein Mann und ich sowie der Mischlingshund Klaus und der Kater Kalle aus Malle.

Wir leben gemeinsam in einem kleinen Dorf zwischen Deister und Süntel im Gebäude einer alten Stuhlfabrik. Die Stuhlindustrie hier im Deister-Sünteltal erlebte ihre Blüte um 1900. Leider gaben die meisten der ansässigen Fabriken in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf und auch die Bahnlinie, die die Dörfer miteinander verband, wurde stillgelegt. Wenn Ihr dazu mehr Geschichtliches erfahren möchtet, empfehle ich Euch einen Besuch im Stuhlmuseum. Den Link hierzu füge ich am Ende des Beitrags ein.

Auf jeden Fall ist es etwas besonderes, in solch einem geschichtsträchtigen Gebäude zu leben. Manchmal stelle ich mir die Betriebsamkeit vor, mit der hier in den alten Backsteinmauern früher Qualitätsmöbel hergestellt wurden.

Nun aber zurück zur Kürbissuppe. Ich verwende hierfür gern Hokkaido oder Butternut, aber auch andere Kürbissorten eignen sich hervorragend.

Mein Rezept: ( für ca. 4 Personen)

– 1 Kürbis ( Hokkaido oder Butternut z.B.)

-3-4 Kartoffeln

-3-4 Möhren

-1 Zwiebel

-ca.750ml Gemüsebrühe

-etwas frische Petersilie

– etwas Butter

-Salz & Pfeffer

– evtl. Sahne zum Verfeinern

-ein wenig Kürbiskernöl.

Zubereitung:

Die Zwiebel würfeln, den Kürbis grob kleinschneiden.( beim Hokkaido mit Schale, der Butternut hingegen müsste geschält werden). Die Möhren in Scheiben schneiden und die Kartoffeln würfeln.

Nun die Zwiebel in einem großen Topf anschwitzen, das Gemüse dazugeben und ebenfalls mit andünsten.

Als nächstes die Brühe dazu gießen, kurz aufkochen, mit Salz und Pfeffer würzen und auf mittlerer Hitze ca. eine halbe Stunde köcheln. Anschliessend mit einem Kartoffelstampfer grob pürieren. Wer es noch feiner mag, nimmt den Pürierstab. Allerdings mag ich diese Konstistenz nicht so gern; es erinnert eher an Babynahrung aus dem Gläschen.

Nun auf die Teller damit und mit einigen Tropfen Kürbiskernöl und / oder einem Schuß Sahne oder Kokosmilch verfeinern. Petersilie hacken und darüberstreuen… Guten Appetit!

 

Wir haben es uns grad schmecken lassen! Meine Waldkinder und ihre Familien werden am Freitag beim Erntedankfest im Waldkindergarten ebenfalls in den Genuß kommen. Darauf freue ich mich schon und werde Euch davon erzählen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim gemeinsamen Nachkochen  und Genießen!

Liebe Grüsse,

Eure Waldtochter

Hier nun noch der Link zum Stuhlmuseum sowie ein Buchtip zum Thema Eisenbahn im Deister-Sünteltal:

Stuhlmuseum Eimbeckhausen