Kinderstuben am Bauwagen

Hier wohnen wir!

Fräulein Corona hat in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass große Teile unseres Lebens heruntergefahren sind . So ist es auch mit dem Kindergarten im Wald. Dort, wo sonst Kinderstimmen durch den Wald hallen, ist Stille und Ruhe eingekehrt-zwangsläufig.

Doch wo wir Menschen einen Schritt zurück treten, tun sich für die Natur und ihre Bewohner ganz neue Möglichkeiten auf. So hat Familie Amsel direkt an der Eingangstür zum Kindergarten-Wagen ein Nest gebaut. Frau Amsel sitzt nun dort und brütet drei türkisfarbene Eier aus. Zwei Wochen wird sie sich dafür Zeit nehmen. Besuchern , die einen Blick durch das Fenster in den Wagen werfen möchten, signalisiert ein Absperrband am Treppenaufgang: Halt, hier ist zur Zeit eine Kinderstube!

Bei Familie Amsel ist das Amsel-Weibchen für das Ausbrüten der Eier zuständig.

Ausgerechnet den Briefkasten des Kindergartens im Wald haben sich die Kohlmeisen zum Nisten ausgesucht. Beim Öffnen vor einigen Tagen kam mir ein Vogel entgegen geflogen, den ich beim Nisten gestört hatte. Als ich aus einiger Entfernung den Kasten beobachtete, stellte ich fest, dass es eine Kohlmeise war. Nachdem ich einen Hinweis für die Zusteller angebracht hatte, konnte sie weiter ungestört ihrem Brutgeschäft nachgehen.

Hier geht derzeit nicht die Post ab!

Unser selbstgebauter Nistkasten ist ebenfalls belegt und auch dort ist ein Kohlmeisen-Pärchen eingezogen. Das Piepsen der Vogelkinder ist schon deutlich zu vernehmen. Die Waldkinder hatten im Frühjahr Filzwolle und trockne Gräser zu kleinen Bündeln gewickelt und in den Büschen aufgehängt um den Vögeln Nistmaterial anzubieten. Wenn die Brutzeit beendet ist, werden wir die Nistkästen öffnen und teils mit bunter Wolle durchzogene Nester vorfinden. Ein klares Indiz für die Kinder, dass ihre Nisthilfen dankend angenommen wurden.

Das werden farbenfrohe Nester!

Ganz besonders gefreut habe ich mich als ich feststellte, dass in unsere kleine Villa Kunterbunt, die direkt neben der Wagen-Tür hängt, eine Blaumeisen-Familie eingezogen ist. Blaumeisen sind in diesem Jahr von einem Bakterium bedroht ( Suttonella ornithocola), das bei ihnen eine Lungenentzündung hervorruft und meist tödlich endet . Damit sich die Blaumeisen-Bestände wieder erholen, ist es wichtig ihnen Brutmöglichkeiten zu bieten. Schön, dass ein Pärchen das Häuschen, welches uns eine Praktikantin vor einigen Jahren zum Abschied schenkte, angenommen hat. Wäre momentan normaler Kindergartenbetrieb, so wären sie wohl kaum auf die Idee gekommen. Zu unruhig könnte es dann dort für ihr Brutgeschäft sein.

Dem Bakterium zum Trotze: wir leben hier!

Wie immer im Leben, so birgt unserer momentane Situation auch positive Aspekte. Die Natur darf Luft holen und freut sich darüber kleine Nischen der Erholung geschenkt zu bekommen. Ein wenig Entschleunigung tut den Singvögeln, aber auch uns Menschen gut. Und trotzdem können wir es kaum erwarten, dass die Waldkinder sich ihre Spielplätze im Wald wieder erobern.

Bis bald im Wald!