„ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“

Etwas weiches, etwas hartes, etwas stacheliges, etwas besonderes, etwas , das gut riecht…. Lang war die Liste der Dinge, die zwölf ehemalige Waldkindergarten-Kinder im Wald sammeln sollten an diesem wunderbaren, sonnigen Herbsttag im Deister.

Zweimal im Jahr laden wir die ehemaligen Kinder zu uns in den Wald ein, um ihren alten Kindergarten zu besuchen. Wir überlegen uns ein kleines Programm, aber selbst das könnten wir uns sparen. Beseelt von den Erinnerungen sind die Kinder einfach zufrieden damit, in  „ihrem Wald“ zu sein. Bekannte Plätze wiederzusehen, wieder einmal das Schnitzmesser in der Hand zu halten, am Lagerfeuer eine Kürbissuppe zu essen, den Waldgeräuschen zu lauschen… mehr braucht es nicht an diesem Tag.

Sie bekamen nach der Begrüssung eine Such-Liste und machten sich auf den Weg. Die „ Steinklippen“ und der „ Tannenwaldi“, dies waren die beiden Plätze, an die sie sich sofort erinnerten und die sie besuchen wollten. Unterwegs suchten sie emsig und verglichen, was ihnen noch fehlte.

Strahlender Sonnenschein begleitete uns und plötzlich spürte ich eine Kinderhand in meiner, genau wie früher, nur mit dem Unterschied, dass das ehemalige Waldkind nun schon die zweite Klasse besucht. Ich spürte eine innige Verbindung zu mir als Erzieherin und zur Natur, in der sie sich ganz selbstverständlich bewegten, so als seien sie mal wieder zuhause vorbei gekommen.

Was für ein Glücksgefühl, diese Kinder dabei zu beobachten, wie sie tief einatmen und sich zuhause fühlen. Wunderbar zu erleben, dass ihr Bezug zur Natur Wurzeln geschlagen hat in ihnen und die Arbeit im Wald mit ihnen sie geprägt hat.

Nachdem wir einen ausgedehnten Spaziergang zu den Plätzen ihrer Kindergartenzeit unternommen hatten, kamen wir wieder am Bauwagen an. Wir entzündeten ein Lagerfeuer und stärkten uns an Bratwürstchen, die wir auf Stöckchen spießten und einer wärmenden Kürbissuppe. Ich musste sie mehrmals zum Essen rufen, so beschäftigt waren sie mit dem Bau einer Seilbahn , dem Schnitzen oder Klettern. Ein Mädchen malte ein Bild und schenkte es dem Kindergarten.

Die kleinen Naturmaterialien, die sie mithilfe der Liste gesammelt hatten, legten sie gemeinsam zu einem Wald-Mandala zusammen.

Ein solcher Tag ist eine grossartige Bestätigung unserer Arbeit. Kinder brauchen die Natur, und nicht nur sie. Auch ihre Eltern die gegen Abend dazu kamen , äusserten ihr Empfinden so: “ Wie schön ist es, mal wieder hier zu sein“. Kleine Aus-Zeiten im Wald, ein Spaziergang durch die Feldmark, wenn wir das wirklich wollen, können wir alle es täglich in unser Leben einbauen. Die Stimmung im Wald, die veränderten Lichtverhältnisse, die Stille erleben, all das stärkt uns für unseren Alltag und setzt Glückshormone frei.

So auch heute  im Deister, als eines der Mädchen vor mir her ging und sich zu mir umdrehte: „ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“, sagte sie mit einem Leuchten im Gesicht.

Bei mir auch.

Danke dafür.

Eure Waldtochter

 

 

 

Erntedank im Wald

Reich gedeckt war unser Tisch im Waldkindergarten gestern beim Erntedankfest. „ Was habt Ihr mitgebracht? Wo wächst es? Was kann man damit machen?“ Die Kinder hatten verschiedene Ideen, wem man für die Ernte danken kann: Gott, dem Bauern, Mutter Erde…Die Waldkinder haben hierzu ihre ganz eigenen Ideen.

Eines der Kinder hatte sich im Gesicht mit Ornamenten geschmückt und sagte, sie wolle danken, dass es sie gibt. Und wem? „ Na, der Mutter Erde! Und Mama und Papa!“

Das ist es, was mich immer wieder in Staunen versetzt und glücklich macht. Die Kinder begreifen sich noch ganz intensiv als einen Teil des Ganzen, als Naturwesen . Ganz selbstverständlich lassen sie sich auf die Natur ein und fühlen sich eingebettet in den Kreislauf. Das ist ein großer Schatz und es liegt an uns Erwachsenen ihn zu hüten.

 

Die Kinder hatten beim Erntedank ihre Eltern , Geschwister und Großeltern eingeladen in den Wald zu kommen. Schon Tage vorher wurde im Spiel „ Waldsuppe“ gekocht. Nun waren sie emsig damit beschäftigt Kartoffeln, Möhren und Kürbis zu schneiden und auf dem Kocher entstand eine leckere Kürbissuppe für alle.

Ein Waldtheaterstück von der Zauberkartoffel wurde aufgeführt und Prinzessin Tausendschön musste dem Krokodil ihren rotbackigen Apfel wieder abluchsen.

 

Am Ende gab es noch ein  Fingerspiel, in dem es um das gemeinsame Handeln ging. Fünf Finger können nur zusammen einen Apfel heben, allein schafft es keiner von ihnen. Dem kleinsten der Finger fällt das ein , wie sinnbildlich erscheint mir das. Den Kindern genau zuhören, auch wenn wir häufig keine Zeit dafür haben im hektischen Alltag. Sie wissen mehr als wir glauben und stellen Zusammenhänge her, die ganz einfach und logisch sind. Ihre Wahrnehmung ist noch nicht gestört von allzu vielen Reizen, Einflüssen und Irritationen. Wir können eine Menge von ihnen lernen.

Erntedank ist eine gute Gelegenheit , mit den Kindern zu kommunizieren und sich auf ihre Gedanken einzulassen. Vielleicht ein paar Hagebutten im Wald „ ernten“ oder zusammen über das Stoppelfeld laufen um zu schauen, ob noch Kornähren dort liegen als Überbleibsel der Ernte.

Wir haben als Kinder noch in den 70er Jahren auf dem Kartoffelfeld gesessen , haben mit den abgetrockneten Kartoffelpflanzen ein kleines Lagerfeuer entfacht und nach Kartoffeln gesucht, die wir uns dann geröstet haben.  Wer kann sich auch noch erinnern an solche Momente am Stadtrand?

Ich wünsche Euch allen einen schönen Erntedank-Tag heute!

Eure Waldtochter

 

Endlich Kürbiszeit!

Wie habe ich schon sehnlichst auf die Kürbiszeit gewartet! Aber nun ist es ja soweit und heute gab es auch gleich die erste Kürbis-Suppe bei uns. Bei uns? Wer wir sind, das möchte ich Euch bei der Gelegenheit einmal vorstellen.

Wir, das sind mein Mann und ich sowie der Mischlingshund Klaus und der Kater Kalle aus Malle.

Wir leben gemeinsam in einem kleinen Dorf zwischen Deister und Süntel im Gebäude einer alten Stuhlfabrik. Die Stuhlindustrie hier im Deister-Sünteltal erlebte ihre Blüte um 1900. Leider gaben die meisten der ansässigen Fabriken in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf und auch die Bahnlinie, die die Dörfer miteinander verband, wurde stillgelegt. Wenn Ihr dazu mehr Geschichtliches erfahren möchtet, empfehle ich Euch einen Besuch im Stuhlmuseum. Den Link hierzu füge ich am Ende des Beitrags ein.

Auf jeden Fall ist es etwas besonderes, in solch einem geschichtsträchtigen Gebäude zu leben. Manchmal stelle ich mir die Betriebsamkeit vor, mit der hier in den alten Backsteinmauern früher Qualitätsmöbel hergestellt wurden.

Nun aber zurück zur Kürbissuppe. Ich verwende hierfür gern Hokkaido oder Butternut, aber auch andere Kürbissorten eignen sich hervorragend.

Mein Rezept: ( für ca. 4 Personen)

– 1 Kürbis ( Hokkaido oder Butternut z.B.)

-3-4 Kartoffeln

-3-4 Möhren

-1 Zwiebel

-ca.750ml Gemüsebrühe

-etwas frische Petersilie

– etwas Butter

-Salz & Pfeffer

– evtl. Sahne zum Verfeinern

-ein wenig Kürbiskernöl.

Zubereitung:

Die Zwiebel würfeln, den Kürbis grob kleinschneiden.( beim Hokkaido mit Schale, der Butternut hingegen müsste geschält werden). Die Möhren in Scheiben schneiden und die Kartoffeln würfeln.

Nun die Zwiebel in einem großen Topf anschwitzen, das Gemüse dazugeben und ebenfalls mit andünsten.

Als nächstes die Brühe dazu gießen, kurz aufkochen, mit Salz und Pfeffer würzen und auf mittlerer Hitze ca. eine halbe Stunde köcheln. Anschliessend mit einem Kartoffelstampfer grob pürieren. Wer es noch feiner mag, nimmt den Pürierstab. Allerdings mag ich diese Konstistenz nicht so gern; es erinnert eher an Babynahrung aus dem Gläschen.

Nun auf die Teller damit und mit einigen Tropfen Kürbiskernöl und / oder einem Schuß Sahne oder Kokosmilch verfeinern. Petersilie hacken und darüberstreuen… Guten Appetit!

 

Wir haben es uns grad schmecken lassen! Meine Waldkinder und ihre Familien werden am Freitag beim Erntedankfest im Waldkindergarten ebenfalls in den Genuß kommen. Darauf freue ich mich schon und werde Euch davon erzählen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim gemeinsamen Nachkochen  und Genießen!

Liebe Grüsse,

Eure Waldtochter

Hier nun noch der Link zum Stuhlmuseum sowie ein Buchtip zum Thema Eisenbahn im Deister-Sünteltal:

Stuhlmuseum Eimbeckhausen