Ein Weihnachtsbaum für die Tiere

” Die Tiere im Wald sollen es doch auch schön haben!” So lautete heute die Antwort eines Waldkindes auf die Frage, warum Möhren und Äpfel an eine kleine Buche im Deister gehängt werden.

Ein Weihnachtsbaum für die Tiere, das ist liebgewonnene Tradition im Waldkindergarten nun schon zum 18. Mal. Es macht uns und den Kindern einmal mehr bewusst, dass wir Gäste sind im Wald und in friedlicher Koexistenz mit den Tieren leben wollen. Es ist ihr Lebensraum, in dem wir uns täglich bewegen. Wir nehmen Rücksicht auf sie, gehen beispielsweise in den Frühjahr- und Sommermonaten nicht in den  ” Zauberwald”, weil dort viele Vogelarten um diese Zeit brüten und dabei ungestört von uns sein sollen. Es ist der Respekt vor der Natur, den Tieren, den Pflanzen, den die Kinder ganz selbstverständlich erfahren und erlernen . Kinder sind da noch unglaublich offen, sie öffnen allem ihr Herz und sind von Natur aus empathisch. So erlebe zumindest ich es im Wald. Nur was sie kennenlernen, werden sie schätzen, schützen und lieben, so meine Hoffnung.

Ich bin immer wieder gespannt auf Begegnungen mit ehemaligen Waldkindern. Wie haben sie die Zeit erlebt? An was erinnern sie sich? Welche Gerüche sind ihnen noch präsent; welche Gefühle können sie auch heute noch nachspüren? Ist das pädagogische Konzept aufgegangen und was werden sie selbst weitergeben wollen an ihre Kinder? Die ersten Waldkinder aus dem Anfangsjahr sind nun schon Anfang 20 und könnten sicher einige meiner Fragen beantworten.

Nun war heute also der letzte Kindergartentag vor den Weihnachtsferien. Zwei Wochen  den Waldrucksack in die Ecke stellen, aufwärmen, Kraft tanken, bevor es im Januar dann weitergeht.

Nachdem wir den Tierbaum geschmückt hatten, trafen wir uns mit Eltern, Großeltern und Geschwistern an unserem selbstgebauten Stall im nahegelegenen Tannenwald zum Krippenspiel. ” Weihnachten im Stall” von Astrid Lindgren ist unsere Vorlage und unser Handlungsstrang. Die Kinder sind frei in ihrer Rollenauswahl und so hatten wir diesmal zwei Marias, die Josef zum Stall begleiteten. Schön war es wieder und feierlich wurde uns ums Herz. Alle Aufgeregtheit und aller Trubel der vergangenen Stunden war verflogen und alle stille Aufmerksamkeit galt dem kleinen Kind in der Krippe. Tiere und Menschen friedlich miteinander im Stall und über allem leuchtete der Stern.

Da war Weihnachten spürbar und nachdem wir alle gemeinsam ” Ihr Kinderlein kommet” gesungen hatten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Waldkindergarten, um uns dort in die Ferien zu verabschieden. Das eine oder andere Kind zeigte seinen Eltern stolz den Weihnachtsbaum für die Tiere und spätestens nach dem zweiten Weihnachtstag werden sie neugierig schauen gehen, ob schon alles aufgefressen ist.

Wie gestalten wir Weihnachten mit den Kindern? Was steht im Fokus? Sind es die Geschenke oder aber auch die kleinen, stillen Dinge, die der Weihnachtszeit ihren Sinn und ihren Zauber geben? Es liegt an uns , welche Erinnerungen die Kinder später daran haben und weitergeben.

Leider lag kein Schnee heute im Deister, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Für die Tiere im Wald ist bestens gesorgt, die Feiertage können kommen!

Schöne Weihnachten!

Eure Waldtochter

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