Wo summt es denn noch?

Die Frage ist nach einer kürzlich veröffentlichten Krefelder Studie leicht zu beantworten:  es summt beängstigend selten noch in unserem Ökosystem. Vielleicht verdient es diesen Namen bald nicht mehr? 76 Prozent weniger Insekten als in einer vorangegangenen Studie von 1989. Das ist eine Hausnummer. Allerdings sind die Gründe hierfür noch nicht genügend erforscht und belegt. Ist es Glyphosat und Co? Sind es die Millionen Liter Gülle, die in die Felder, neuerdings sogar auf Wiesen , eingebracht werden? Hier bedarf es noch gründlicher Klärung, damit wir, ähnlich wie in der Klimaforschung, die Verursacher dingfest machen können. Aber hat das dem Klima etwas genutzt? Wohl eher nicht. Heute findet in Bonn wieder eine Klimakonferenz statt. Große Veränderungen zum Positiven lassen da trotz Kind beim Namen nennen auf sich warten und solange ich selbst mit dem Auto in den Wald fahre, muss ich mich da in erster Linie an meine eigene Nase fassen.

Das Beispiel von der Windschutzscheibe, die noch in den 1960er Jahren schwarz war von Insekten wird ja immer angeführt. Aber auch wir im Wald beobachten dies. Einzig das Zeckenvorkommen ist gefühlt nicht reduziert. Aber ganz klar weniger geworden sind beispielsweise die Tagfalter . Sie fliegen  uns immer seltener über den Weg.

Ganz besonders das langsame Aussterben der verschiedenen Bienenarten ist besorgniserregend. Sorgen sie doch für die Bestäubung und Erhaltung vieler Obstsorten. Werden Äpfel und Birnen bald unerschwinglich teuer , weil sie per Hand bestäubt werden müssen?

Das empfindliche Gleichgewicht in der Natur, das schon durch das Aussterben einer einzigen Spezies nachhaltig gestört wird, ist auch unser Lebensraum. Das ist uns manchmal nicht mehr ganz so klar, wie es uns sein sollte.

„ Insektozid“ nennen sie  das Insektensterben. Vermutlich wird dieser Ausdruck zum Wort des Jahres 2017 gekürt werden müssen. Wie traurig.

Da kann man mit der Kindergruppe schonmal beobachten, wie auf einer Grünfläche, auf der ab und an Schafe weiden, in großem Maße Gülle eingebracht wird. Ein LKW nach dem nächsten kam an den Waldrand gefahren.
Huckepack  große Tankbehälter mit „ Substrat“, wie es einer der Fahrer nannte. Zuvor war die Erde mit einer Art Grubber dafür vorbereitet worden. Wir sahen zu und die Kinder verlangten nach einer Erklärung. Das sind diese Momente, in denen ich Schwierigkeiten habe es plausibel zu machen. Riesige Ställe, in denen hunderte Schweine leben und deren Fäkalien ja irgendwo bleiben müssen. Wie erklären wir den Kindern das?

Etwas zu verändern ist hingegen gar nicht  so schwierig. Nur  noch die Hälfte Fleisch essen wäre ein Anfang. Wir können uns außerdem dafür stark machen, dass die Insektizide endlich verschwinden. Und wir in den Waldkindergärten leisten einen kleinen, aber sich vielleicht multiplizierenden Beitrag: den Kindern die Naturzusammenhänge nahebringen und begreifen helfen. Das ist etwas, das jeder, der mit Kindern zu tun hat, machen kann . Nur so können wir sie an den  Naturschutz heran führen. Das geht kaum durch Erklärungen oder den erhobenen Zeigefinger, sondern mehr durch Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen, die sie unmittelbar selbst machen dürfen.

Ich gebe die Hoffnung noch lange nicht auf!

Herzliche Grüße,

Eure Waldtochter

““Das Leben aller Lebewesen, seien sie nun Menschen, Tiere oder andere, ist kostbar, und alle haben dasselbe Recht  glücklich zu sein. Alles, was unseren Planeten bevölkert, die Vögel und die wilden Tiere sind unsere Gefährten. Sie sind Teil unserer Welt, wir teilen sie mit ihnen.““

Dalai Lama

 

Was soll das?

Nun ist es an der Zeit, einmal für einen Moment die wirklich tolle Idylle des Miteinanders bei uns im Waldkindergarten zu durchbrechen.

Ich habe heute beobachten müssen,wie sich Jäger mit dem Gewehr im Anschlag um ein Maisfeld herum postiert haben. Warum? Um das Schwarzwild, das sich in den Feldern aufhält, aus nächster Nähe erschießen zu können, sowie es in Panik aus dem Mais kommt, weil sich der Maishäcksler nähert.

Was soll das?

Argumentiert wird dann sofort mit Verkehrsschutz und dass sich die Wildschweinpopulation besorgniserregend erhöht hat. Von Schweinepest ist dann die Rede und von Schäden auf den Feldern. Geister, die ich rief? Wohin das Auge blickt: Maisfelder. In einigen Landstrichen kann man schon fast von Monokultur sprechen. Und wer wird durch die Maisfelder angelockt, frisst sich natürlich dick und rund und vermehrt sich deshalb sprunghaft? Richtig.

Dann ist gleichzeitig die Wehklage groß ob der Schäden, die das Wildschwein anrichtet.

Und was hat das noch mit traditioneller Jagd zu tun, wenn die Tiere direkt vor die Flinte aus den Feldern herausgejagt werden?

Ich verstehe diese Welt manchmal nicht mehr und fühle mich auch außerstande sie so den Kindern zu erklären. „ Beate, warum machen die das?“

Ja , warum? Ich weiss es selbst nicht.

Achtung vor der Schöpfung? Wohl kaum.

Das war‘s. Ein kurzer Zwischenruf.

Eure Waldtochter