Gelber Schnee

Liebe Leute,

der Umzug ist geschafft, die Kartons und Kisten grösstenteils ausgepackt und ich kann mich endlich mal wieder so erfreulichen Dingen wie meinem Blog zuwenden. Wie schön! Die Tiere fühlen sich wohl im neuen Zuhause und ich möchte einmal erzählen, wie es den Waldkindern in den vergangenen Wochen ergangen ist.

Das Sturmtief Friederike zwang uns leider für drei Wochen den Wald zu verlassen und in unseren Sturmraum in der Stadt umzuziehen.   Unser Förster riet uns, auch nach Abzug des Sturmes den Wald noch nicht zu betreten. Über viele Wochen hatte Dauerregen den Boden tief und schlammig gemacht und es bestand akut die Gefahr , dass Bäume, die bereits durch den Sturm ” angeschoben ” waren, noch umstürzen konnten.

So machten wir kleine Ausflüge in die Bücherei, in den nahegelegenen Kurpark oder auf den Wochenmarkt, wo wir für einen bunten Obstsalat einkauften.

Seit einer Woche dürfen wir nun endlich wieder in unseren Wald und schauten uns erstmal um, welche Veränderungen der Sturm im Wald verursacht hat. Bestandsaufnahme: viele umgestürzte Fichten, die sich mit ihren flachen Wurzeln im nassen Boden nicht mehr halten konnten. Eine alte Eiche, die im vergangenen Sommer noch ein Hornissennest und Spechthöhlen beherbergt hatte, ging in die Knie und zerbarst.

Die Stürme werden häufiger, das Wettergeschehen immer unberechenbarer. Waren wir in den ersten Waldkindergartenjahren ein- oder zweimal im Sturmraum, so sind es mittlerweile ganze Wochen, die wir dort verbringen. Deuteten früher viele Bucheckern auf dem Waldboden auf einen bevorstehenden harten Winter hin, so ist dies mittlerweile kein sicheres Indiz mehr. Der Wald, die Natur ist selbst verwirrt und gerät aus dem natürlichen Rhythmus.

Wieder im Wald angekommen, bescherte uns das Wetter ein kleines Schnee- Intermezzo. Endlich kein Sturm mehr, vorbei der Regen und weggewischt der dauergraue Himmel. Sonne und Schnee! Eisgebilde und Schneemänner! Rodeln und Rutschen! Das tat gut!

Nun kümmerten wir uns auch wieder um die Vögel, die den Winter bei uns im Deister verbringen. Fett und Körner wurden angerührt und in Futterglocken gefüllt. Kaum hingen diese, bekamen wir Besuch von Meise, Buchfink und Specht. Dankbar nahmen sie unser Futterangebot an.

Der Dauerfrost hindert die Kinder nicht daran, draussen kreativ zu sein. So sammelten sie Schnee in Töpfen und mischten ihn mit Malkreide, die sie fein zerrieben. Sie überraschten mich mit gelbem, blassblauem und rosafarbenem Schnee. Immer wieder Dinge zweckentfremden, sich ausprobieren, experimentieren… das ist es, was Kinder brauchen und wo sie Freiraum, Ermunterung und Unterstützung von uns bekommen können.

Selbst im nicht für Kinder ausgelegten Sturmraum wussten sie sich phantasievoll auszuleben. Da entstand auf dem Fussboden der Meeresgrund mit unzähligen Fischen und Meerjungfrauen, mit Kraken, Seeschlangen und Korallenriffen. Gemeinsam durchquerten wir das Meer und schwammen auf eine Insel, auf der eine Schatzkiste, gefüllt mit selbstgebastelten Gold-und Silbermünzen auf uns wartete.

Nun hat uns aber der Wald zurück und wir dürfen die ersten Schneeglöckchen begrüssen. Auch der Bärlauch schaut schon mit seinen ersten grünen, nach Zwiebeln und Knoblauch duftenden Spitzen aus der gefrorenen Erde heraus. Warum er Bärlauch heisst und was die Waldkinder mit ihm anstellen, darauf dürft Ihr nun schon gespannt sein!

Herzlichst,

die Waldtochter