Was soll das?

Nun ist es an der Zeit, einmal für einen Moment die wirklich tolle Idylle des Miteinanders bei uns im Waldkindergarten zu durchbrechen.

Ich habe heute beobachten müssen,wie sich Jäger mit dem Gewehr im Anschlag um ein Maisfeld herum postiert haben. Warum? Um das Schwarzwild, das sich in den Feldern aufhält, aus nächster Nähe erschießen zu können, sowie es in Panik aus dem Mais kommt, weil sich der Maishäcksler nähert.

Was soll das?

Argumentiert wird dann sofort mit Verkehrsschutz und dass sich die Wildschweinpopulation besorgniserregend erhöht hat. Von Schweinepest ist dann die Rede und von Schäden auf den Feldern. Geister, die ich rief? Wohin das Auge blickt: Maisfelder. In einigen Landstrichen kann man schon fast von Monokultur sprechen. Und wer wird durch die Maisfelder angelockt, frisst sich natürlich dick und rund und vermehrt sich deshalb sprunghaft? Richtig.

Dann ist gleichzeitig die Wehklage groß ob der Schäden, die das Wildschwein anrichtet.

Und was hat das noch mit traditioneller Jagd zu tun, wenn die Tiere direkt vor die Flinte aus den Feldern herausgejagt werden?

Ich verstehe diese Welt manchmal nicht mehr und fühle mich auch außerstande sie so den Kindern zu erklären. „ Beate, warum machen die das?“

Ja , warum? Ich weiss es selbst nicht.

Achtung vor der Schöpfung? Wohl kaum.

Das war‘s. Ein kurzer Zwischenruf.

Eure Waldtochter

Finchen schmeckt es auch!

Heute wurde bei uns im Waldkindergarten Apfelsaft gepresst. Tage zuvor hatten wir bei netten  „Waldnachbarn“ auf der Pferdekoppel Äpfel sammeln dürfen.

“ In meinem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus,

es sind darin fünf Stübchen, grad wie in einem Haus!“

Schnell waren die Körbe gefüllt und wir hatten noch Zeit die Galloway-Kälber zu bestaunen, die uns friedlich wiederkäuend von der anderen Seite des Zaunes zuschauten.

Heute nun bauten wir die Apfelpresse des NABU auf, die wir uns jedes Jahr ausleihen dürfen. Die Kinder erfahren, woher Lebensmittel kommen, wie und aus was sie hergestellt werden. Das ist uns wichtig und lässt bei den Kindern eine Wertschätzung entstehen. Gemeinsam wird gewaschen , geschnippelt, kleingehäckselt und letztendlich gepresst. Heraus kommt wunderbar süss schmeckender, frischer Apfelsaft!

Der wird dann mithilfe eines Trichters in die mitgebrachten Flaschen umgefüllt und im Abschlusskreis gibt es für alle, die möchten eine Kostprobe.

Und wen entdeckten wir da in einem unserer Apfelkörbe? Finchen! Man muss wissen, alle Schnecken hier im Wald heissen irgendwie Finchen. Das muss wohl an unserer Handpuppe liegen, die den Waldkindern regelmässig Geschichten erzählt oder auf ihre ganz eigene Art und Weise Naturzusammenhänge erklärt.

Die Waldkinder wissen um die Nützlichkeit der Wegschnecke. Sie ist ein Allesfresser und verhindert Seuchen und Krankheiten im Wald, indem sie auch Aas frisst. Sie sorgt für Artenvielfalt, da sie zahlreichen Vögeln,Reptilien und Säugetieren als Nahrung dient.

Nun, Finchen tat sich gütlich an unseren Äpfeln und fühlte sich vermutlich wie im Schlaraffenland.Sie posierte gar vor der Kamera und ließ sich nicht stören. 

Nachdem wir den köstlichen Apfelsaft abgefüllt hatten und im Abschlusskreis zusammen saßen, fragten wir uns, wo Finchen wohl geblieben sei. Eines der Kinder rief plötzlich“ Da ist sie! Sie ist wohl noch nicht satt!“ Sie hatte mittlerweile den großen Kürbis erklommen, der seit unserem Erntedankfest auf dem Waldtisch thronte.

“ In unsrem Wald, da kriecht ne Schnecke.

Sie kommt ganz langsam nur vom Flecke.

Sie hat die Fühler ausgestreckt… Oh Schreck! Jetzt hat sie mich entdeckt!

Sie zieht die Fühler ein , und kriecht ins Schneckenhaus hinein.“

So heisst es in einem Fingerspiel, das die Waldkinder häufig am Ende des Frühstücks miteinander spielen.

Stolz nahm jedes der Kinder eine Flasche mit selbstgepresstem Saft mit nachhause. Und das Wissen darum, woher der Saft kommt und wie er schmeckt , wenn er frisch aus der Saftpresse kommt.

Morgen werden wir einen Ausflug zum Mesenstein machen. Der birgt eine geheimnisvolle, dunkle Geschichte. Aber die erzähle ich Euch ein anderes Mal.

Eure Waldtochter

 

„ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“

Etwas weiches, etwas hartes, etwas stacheliges, etwas besonderes, etwas , das gut riecht…. Lang war die Liste der Dinge, die zwölf ehemalige Waldkindergarten-Kinder im Wald sammeln sollten an diesem wunderbaren, sonnigen Herbsttag im Deister.

Zweimal im Jahr laden wir die ehemaligen Kinder zu uns in den Wald ein, um ihren alten Kindergarten zu besuchen. Wir überlegen uns ein kleines Programm, aber selbst das könnten wir uns sparen. Beseelt von den Erinnerungen sind die Kinder einfach zufrieden damit, in  „ihrem Wald“ zu sein. Bekannte Plätze wiederzusehen, wieder einmal das Schnitzmesser in der Hand zu halten, am Lagerfeuer eine Kürbissuppe zu essen, den Waldgeräuschen zu lauschen… mehr braucht es nicht an diesem Tag.

Sie bekamen nach der Begrüssung eine Such-Liste und machten sich auf den Weg. Die „ Steinklippen“ und der „ Tannenwaldi“, dies waren die beiden Plätze, an die sie sich sofort erinnerten und die sie besuchen wollten. Unterwegs suchten sie emsig und verglichen, was ihnen noch fehlte.

Strahlender Sonnenschein begleitete uns und plötzlich spürte ich eine Kinderhand in meiner, genau wie früher, nur mit dem Unterschied, dass das ehemalige Waldkind nun schon die zweite Klasse besucht. Ich spürte eine innige Verbindung zu mir als Erzieherin und zur Natur, in der sie sich ganz selbstverständlich bewegten, so als seien sie mal wieder zuhause vorbei gekommen.

Was für ein Glücksgefühl, diese Kinder dabei zu beobachten, wie sie tief einatmen und sich zuhause fühlen. Wunderbar zu erleben, dass ihr Bezug zur Natur Wurzeln geschlagen hat in ihnen und die Arbeit im Wald mit ihnen sie geprägt hat.

Nachdem wir einen ausgedehnten Spaziergang zu den Plätzen ihrer Kindergartenzeit unternommen hatten, kamen wir wieder am Bauwagen an. Wir entzündeten ein Lagerfeuer und stärkten uns an Bratwürstchen, die wir auf Stöckchen spießten und einer wärmenden Kürbissuppe. Ich musste sie mehrmals zum Essen rufen, so beschäftigt waren sie mit dem Bau einer Seilbahn , dem Schnitzen oder Klettern. Ein Mädchen malte ein Bild und schenkte es dem Kindergarten.

Die kleinen Naturmaterialien, die sie mithilfe der Liste gesammelt hatten, legten sie gemeinsam zu einem Wald-Mandala zusammen.

Ein solcher Tag ist eine grossartige Bestätigung unserer Arbeit. Kinder brauchen die Natur, und nicht nur sie. Auch ihre Eltern die gegen Abend dazu kamen , äusserten ihr Empfinden so: “ Wie schön ist es, mal wieder hier zu sein“. Kleine Aus-Zeiten im Wald, ein Spaziergang durch die Feldmark, wenn wir das wirklich wollen, können wir alle es täglich in unser Leben einbauen. Die Stimmung im Wald, die veränderten Lichtverhältnisse, die Stille erleben, all das stärkt uns für unseren Alltag und setzt Glückshormone frei.

So auch heute  im Deister, als eines der Mädchen vor mir her ging und sich zu mir umdrehte: „ Heute ist mein Tag der Erinnerungen“, sagte sie mit einem Leuchten im Gesicht.

Bei mir auch.

Danke dafür.

Eure Waldtochter

 

 

 

Küchenkram: Brotaufstrich selbstgemacht

  1. Hallo, liebe Blog-Besucher!

In den vergangenen Tagen haben wir meine Söhne in ihren Studienorten besucht und ich freue mich sehr darüber zu sehen, dass dort in Köln und Frankfurt mittlerweile auch ihre Lebensmittelpunkte entstanden sind.

Im Zeitraffer bekam ich jeweils für einen Tag einen Eindruck davon , wo sie leben, studieren und arbeiten, wer ihre Freunde sind, welches die Lieblingskneipe ist, von wo man am besten die Frankfurter Skyline sehen kann, wie schön der Kölner Grüngürtel ist, dass es im Kebab-Land unvergleichlich gut schmeckt und vieles mehr.

Da blieb natürlich nicht viel Zeit für‘s bloggen und: ich habe es tatsächlich vermisst.

Hier stürmt es mittlerweile ganz ordentlich und in vielen Teilen des Nordens lag für einige Tage der Bahnverkehr lahm.

Zeit also, es sich zuhause gemütlich zu machen und das erste Mal in diesem Herbst den Kerzenleuchter zu aktivieren. Er war ursprünglich schwarz; ich habe ihn von einer Freundin geschenkt bekommen. Ich liebe weiss , habe ihm deshalb ein Facelifting verpasst und ich finde, mit den roten Kerzen strahlt er richtig um die Wette. Vielleicht hat das schon einen Touch von Vorweihnachten, aber er wird auf jeden Fall noch mehrmals umdekoriert. Er wird Euch ganz sicher noch häufiger begegnen.

Nun habe ich heute in der Vorratskammer ein Glas getrocknete Tomaten gefunden. Da ich sehr gern vegetarische Brotaufstriche esse, habe ich nun selbst einen kreiert.

Dazu habe ich genommen:

– getrocknete Tomaten

-etwas Frischkäse

-Zwiebeln und Knoblauch , gehackt

-Sonnenblumenkerne, ohne Fett in der Pfanne geröstet

-Salz, Pfeffer, Gewürzmischung.

Ich mache ganz bewusst keine Mengenangaben, da das jeder von Euch nach Geschmack variieren kann.

Die Zutaten habe ich in einer kleinen Küchenmaschine miteinander vermengt und zerkleinert. Nun noch abschmecken, in ein Schraubglas füllen und fertig ist ein leckerer Brotaufstrich.

Ab und zu bekommt Ihr zukünftig einen Beitrag in der Kategorie „Küchenkram“ und ich bin gespannt, welche Variationen Euch zu den Rezepten einfallen.

Vorhin haben wir den Kerzenleuchter aufgehängt und die Bohrmaschine nicht gleich wieder an ihren Platz geräumt. Kater Kalle kam kurz darauf nachhause vom Um -die -Häuser-ziehen und musste feststellen, dass sein  Lieblingsplatz auf dem roten Cordsessel belegt ist. So musste er sich mit der liegengebliebenen merkwürdigen Maschine arrangieren. Kein Problem!

Ich wünsche Euch ein schönes Herbst-Wochenende!

Eure Waldtochter

 

Schöne Dinge- Mini Homestory Teil 1

Hallo liebe Leser,

in den vergangenen Tagen sind viele Besucher auf meinem Blog gewesen und das freut mich sehr. Es ist ja irgendwie ein wenig wie Tagebuch schreiben, in dem andere Menschen mitlesen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass es da draussen in der Welt, wo auch immer, Menschen gibt, die ähnliche Ansichten haben wie ich, die schön finden, was ich schön finde. Die Interesse an der Waldpädagogik haben oder einfach nur die Liebe zur Natur teilen. Ich freue mich über jeden von Euch.

Was ich schreibe, kommt aus mir und von Herzen. Neulich las ich im Kundenmagazin einer großen Drogerie-Kette den Ausspruch eines Schauspielers und Kabarettisten: “ Ich bin kein Intellektueller, aber ich mache mir meine Gedanken“. Das hat mir gut gefallen und würde ich auch mir zuordnen können. Mir ist wichtig, dass ein Mensch sein Herz am rechten Fleck hat( aber bloss nicht rechts im Sinne von Politik! ) und über einen gesunden Menschenverstand verfügt. Da ist der Schulabschluss nebensächlich.

Ich habe festgestellt, dass Menschen, die sich regelmässig in der Natur aufhalten und bewegen, gesünder sind an Körper und Geist. Ich behaupte, dass das Grundproblem der Menschheit ist, dass sie sich zu weit von der Natur, von ihren Wurzeln entfernt hat und sich allzu viel mit Ersatztätigkeiten aufhält. Wir spüren nicht mehr immer, in was wir eigentlich eingebunden sind. Würden wir es spüren, wären wir nicht permanent damit beschäftigt, unsere Lebensgrundlage zu zerstören. Würden wir uns als Teil der Schöpfung begreifen, täten wir dies nicht. Ich bin politisch interessiert, nehme mein Grundrecht der freien Wahl auch wahr, weil ich es zu schätzen weiss, aber bin politisch aktiv lieber in meinem eigenen, kleinen Rahmen. Die Arbeit mit den Kindern im Wald ist mein Beitrag. Ich verbinde damit die Hoffnung, als Multiplikator tätig zu sein und es diesen kleinen Menschen zu ermöglichen, sich der Natur nah verbunden zu fühlen, auch in der Zukunft.

Nun wird es hier aber langsam zu philosophisch, das wollte ich eigentlich gar nicht. Ich wollte Euch eigentlich einen kleinen Eindruck geben , mit welchen Dingen ich mich zuhause gern umgebe und da findet man selbstverständlich auch häufig Elemente aus der Natur. Fundstücke aus dem Wald und natürlich Blumen. Ich habe fast immer Blumen zuhause oder einen Strauß aus Waldgräsern. Ich finde Selbstpflückfelder toll. Leider gibt es kaum noch welche in unserer Gegend, weil häufig gepflückt wurde ohne dafür zu zahlen. Eine Bäuerin sagte mir, es sei sehr viel Arbeit und wenn dann für einen großen Strauß Sonnenblumen lediglich ein Euro in die Kasse geworfen wird, lasse sie ihren Mann doch lieber wieder Weizen auf der Fläche anbauen. Wie schade.

Im Wohnzimmer hängt ein Plakat , das Niki de Saint Phalle gestaltet hat. Die Künstlerin ist leider schon verstorben; sie hatte eine enge Partnerschaft mit der Stadt Hannover und ihre Nanas haben es mir angetan.

Daneben gibt es eingerahmte Bilder, die meine Kinder gemalt haben, als sie klein waren. Oft kombiniere ich Fundstücke vom Sperrmüll oder Flohmarkt mit selbstgebautem oder gebasteltem. Nur Paletten, die kommen mir nicht in die Wohnung. Ich habe alles gern offen, so wie das Regal in der Küche und mag auch, wenn es dann ein bisschen kramig aussieht.

Die Zeit läuft in der Küche auf einer Wanduhr aus Glas , auf der ein Apfel thront und auf meinem Küchenkalender tummelt sich ein Igel kurz vor dem Winterschlaf.

Dann gibt es da noch meinen Meditier-Frosch , der sich zu zwei Damen mit Perlenkettchen gesellt hat.

Auf Schilder mit Sinnsprüchen stehe ich genauso wenig wie auf Wand-Tattoos. Ein Schild allerdings durfte in unser Badezimmer einziehen, da es mir liebe Freunde  geschenkt haben und es mich morgens freut, beim Zähneputzen darauf zu schauen.

Bald wird herbstliche Deko in unsere Wohnung einziehen, natürlich auch wieder mit ganz viel Natur! Bis dahin, macht es Euch kuschlig, es wird stürmisch in den nächsten Tagen!

Eure Waldtochter

Hier nun noch ein Link zu Niki de Saint Phalle und Hannover: https://www.visit-hannover.com/Sehenswürdigkeiten-Stadttouren/Sightseeing/Sehenswürdigkeiten/Nanas

Amanita muscaria- der Glücksbringer

Gerade kommen wir von einem kleinen Exkurs aus dem Deister und unsere Funde möchte ich Euch nicht vorenthalten: Fliegenpilze.

Amanita muscaria… was für ein wunderschöner Name für diese hochgiftige Schönheit.

Warum der giftige Pilz seit je her ein Glückssymbol ist, weiss man nicht genau. Vielleicht, weil ihm wegen seiner berauschenden Wirkung Zauberkräfte zugeschrieben wurden.Schamanen und Heilkundige nutzten sein Gift wohl dosiert als Heilmittel.

So oder so, er ist wunderschön anzusehen. Und schmackhaft für einige Waldbewohner scheint er zudem auch zu sein; fast alle Exemplare waren angefressen. So habe ich versucht sie von ihrer Schokoladenseite zu erwischen und sie haben sich gern in Szene setzen lassen.

Mittendrin im Tannenwald dann noch eine kleine Überraschung: ein Steinpilz. Eher selten entdeckt man ihn im Deister. Im gegenüber liegenden Höhenzug, dem Süntel, fand mein Opa vor 30 Jahren unzählige Exemplare. Stets in den frühen Morgenstunden, denn niemand sollte von seinen Fundstellen wissen. So hat er diese Geheimnisse mitgenommen nach seinem Tod und mir bleibt die Erinnerung an eine Köstlichkeit abends am Küchentisch der Großeltern. Pilze in der Pfanne angebraten, ein Butterbrot dazu, mehr brauchte es nicht. Vielleicht hatte dort meine Vorliebe für einfache Gerichte ihren Ursprung. Einfache, aber gute Zutaten und kein Chichi lenkt ab vom Geschmack.

Zurück zu den Fliegenpilzen. Vor einigen Tagen sahen die Waldkinder und ich einen eher unscheinbaren , braunen Pilz im Wald, der über und über mit Fliegen besetzt war. „ Das ist ein Fliegenpilz“, sagte eines der Kinder und ich freute mich über diese bestechende Logik. Mir ist nicht wichtig, dass die Waldkinder von Beginn an die Namen der Tiere, Pflanzen oder eben der Pilze kennen. Wichtiger ist mir ihre Wahrnehmung, ihre Fantasie. Da wird aus der großen Vogelmiere eine „ Sternblume“. So sieht sie aus und so nimmt sie das Kind wahr. Im letzten Jahr vor der Schule, dem „ Königsjahr“, sind sie dann wissbegierig und möchten die exakten botanischen Namen wissen. Dann verlassen sie die magische Welt, aber davon erzähle ich Euch ein anderes Mal.

Bis dahin,

Eure Waldtochter

PS. ….. zu guter letzt noch ein besonderes Exemplar, das wir gefunden haben. Wie auch immer es in den Tannenwald gelangte…. wer wurde damals eigentlich Weltmeister?

Erntedank im Wald

Reich gedeckt war unser Tisch im Waldkindergarten gestern beim Erntedankfest. „ Was habt Ihr mitgebracht? Wo wächst es? Was kann man damit machen?“ Die Kinder hatten verschiedene Ideen, wem man für die Ernte danken kann: Gott, dem Bauern, Mutter Erde…Die Waldkinder haben hierzu ihre ganz eigenen Ideen.

Eines der Kinder hatte sich im Gesicht mit Ornamenten geschmückt und sagte, sie wolle danken, dass es sie gibt. Und wem? „ Na, der Mutter Erde! Und Mama und Papa!“

Das ist es, was mich immer wieder in Staunen versetzt und glücklich macht. Die Kinder begreifen sich noch ganz intensiv als einen Teil des Ganzen, als Naturwesen . Ganz selbstverständlich lassen sie sich auf die Natur ein und fühlen sich eingebettet in den Kreislauf. Das ist ein großer Schatz und es liegt an uns Erwachsenen ihn zu hüten.

 

Die Kinder hatten beim Erntedank ihre Eltern , Geschwister und Großeltern eingeladen in den Wald zu kommen. Schon Tage vorher wurde im Spiel „ Waldsuppe“ gekocht. Nun waren sie emsig damit beschäftigt Kartoffeln, Möhren und Kürbis zu schneiden und auf dem Kocher entstand eine leckere Kürbissuppe für alle.

Ein Waldtheaterstück von der Zauberkartoffel wurde aufgeführt und Prinzessin Tausendschön musste dem Krokodil ihren rotbackigen Apfel wieder abluchsen.

 

Am Ende gab es noch ein  Fingerspiel, in dem es um das gemeinsame Handeln ging. Fünf Finger können nur zusammen einen Apfel heben, allein schafft es keiner von ihnen. Dem kleinsten der Finger fällt das ein , wie sinnbildlich erscheint mir das. Den Kindern genau zuhören, auch wenn wir häufig keine Zeit dafür haben im hektischen Alltag. Sie wissen mehr als wir glauben und stellen Zusammenhänge her, die ganz einfach und logisch sind. Ihre Wahrnehmung ist noch nicht gestört von allzu vielen Reizen, Einflüssen und Irritationen. Wir können eine Menge von ihnen lernen.

Erntedank ist eine gute Gelegenheit , mit den Kindern zu kommunizieren und sich auf ihre Gedanken einzulassen. Vielleicht ein paar Hagebutten im Wald „ ernten“ oder zusammen über das Stoppelfeld laufen um zu schauen, ob noch Kornähren dort liegen als Überbleibsel der Ernte.

Wir haben als Kinder noch in den 70er Jahren auf dem Kartoffelfeld gesessen , haben mit den abgetrockneten Kartoffelpflanzen ein kleines Lagerfeuer entfacht und nach Kartoffeln gesucht, die wir uns dann geröstet haben.  Wer kann sich auch noch erinnern an solche Momente am Stadtrand?

Ich wünsche Euch allen einen schönen Erntedank-Tag heute!

Eure Waldtochter

 

Endlich Kürbiszeit!

  • Wie habe ich schon sehnlichst auf die Kürbiszeit gewartet! Aber nun ist es ja soweit und heute gab es auch gleich die erste Kürbis-Suppe bei uns. Bei uns? Wer wir sind, das möchte ich Euch bei der Gelegenheit einmal vorstellen.

Wir, das sind mein Mann und ich sowie der Mischlingshund Klaus und der Kater Kalle aus Malle.

Wir leben gemeinsam in einem kleinen Dorf zwischen Deister und Süntel im Gebäude einer alten Stuhlfabrik. Die Stuhlindustrie hier im Deister-Sünteltal erlebte ihre Blüte um 1900. Leider gaben die meisten der ansässigen Fabriken in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf und auch die Bahnlinie, die die Dörfer miteinander verband, wurde stillgelegt. Wenn Ihr dazu mehr Geschichtliches erfahren möchtet, empfehle ich Euch einen Besuch im Stuhlmuseum. Den Link hierzu füge ich am Ende des Beitrags ein.

Auf jeden Fall ist es etwas besonderes, in solch einem geschichtsträchtigen Gebäude zu leben. Manchmal stelle ich mir die Betriebsamkeit vor, mit der hier in den alten Backsteinmauern früher Qualitätsmöbel hergestellt wurden.

Nun aber zurück zur Kürbissuppe. Ich verwende hierfür gern Hokkaido oder Butternut, aber auch andere Kürbissorten eignen sich hervorragend.

Mein Rezept: ( für ca. 4 Personen)

– 1 Kürbis ( Hokkaido oder Butternut z.B.)

-3-4 Kartoffeln

-3-4 Möhren

-1 Zwiebel

-ca.750ml Gemüsebrühe

-etwas frische Petersilie

– etwas Butter

-Salz & Pfeffer

– evtl. Sahne zum Verfeinern

-ein wenig Kürbiskernöl.

Zubereitung:

Die Zwiebel würfeln, den Kürbis grob kleinschneiden.( beim Hokkaido mit Schale, der Butternut hingegen müsste geschält werden). Die Möhren in Scheiben schneiden und die Kartoffeln würfeln.

Nun die Zwiebel in einem großen Topf anschwitzen, das Gemüse dazugeben und ebenfalls mit andünsten.

Als nächstes die Brühe dazu gießen, kurz aufkochen, mit Salz und Pfeffer würzen und auf mittlerer Hitze ca. eine halbe Stunde köcheln. Anschliessend mit einem Kartoffelstampfer grob pürieren. Wer es noch feiner mag, nimmt den Pürierstab. Allerdings mag ich diese Konstistenz nicht so gern; es erinnert eher an Babynahrung aus dem Gläschen.

Nun auf die Teller damit und mit einigen Tropfen Kürbiskernöl und / oder einem Schuß Sahne oder Kokosmilch verfeinern. Petersilie hacken und darüberstreuen… Guten Appetit!

 

Wir haben es uns grad schmecken lassen! Meine Waldkinder und ihre Familien werden am Freitag beim Erntedankfest im Waldkindergarten ebenfalls in den Genuß kommen. Darauf freue ich mich schon und werde Euch davon erzählen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim gemeinsamen Nachkochen  und Genießen!

Liebe Grüsse,

Eure Waldtochter

Hier nun noch der Link zum Stuhlmuseum sowie ein Buchtip zum Thema Eisenbahn im Deister-Sünteltal:

Stuhlmuseum Eimbeckhausen 

 

Auch auf der Erde gibt es Sterne!

  • Pilze gibt es das ganze Jahr bei uns im Wald und nicht nur im Herbst. Gestern habe ich allerdings gemeinsam mit einem der Waldkinder eine Besonderheit auf dem Waldboden entdeckt: einen Erdstern. Er ist eher selten zu finden, ist auch ungenießbar aber dafür wunderschön anzusehen. Wenn er an das Licht kommt , ist er eine unscheinbare braune Kugel und enfaltet sich dann nach und nach zu einem Stern. Lustig fanden die Kinder, dass er zur Gattung der „ Bauchpilze „ gehört.

Ein Pilzfachmann sagte mir einmal, dass er so große Vorkommen wie im Deister vorher noch nicht gesehen habe. Bei den von uns entdeckten Exemplaren handelt es sich um den gewimperten Erdstern. Na, was für ein Glück für uns!

Die Waldkinder wissen: das allermeiste vom Pilz ist nicht überirdisch zu sehen, sondern wächst sehr verzweigt unter der Erde; das sogenannte Myzel. Es zersetzt morsches Holz und sorgt dafür , dass immer wieder neuer Humus entsteht.

 

Beflügelt von dem tollen Fund machten sich gleich einige der Kinder gemeinsam mit mir auf Pilzsuche. Was wir noch gefunden haben, seht Ihr anhand der Fotos.

Pilze sind wichtig für unser Ökosystem und die Kinder passen immer gut auf, dass sie sie nicht zertreten. Denn oft haben wir schon beobachtet, dass Pilze, die für uns Menschen giftig sind, von Tieren mit Genuß verspeist werden. So fanden wir in einem Fichtenwald einmal eine große Anzahl von Fliegenpilzen(„ Kann der Pilz auch wirklich fliegen, Beate?“), auf denen Wegschnecken saßen und es sich schmecken ließen.

Pilze sind nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen näher mit den Tieren verwandt als mit den Pflanzen. Sie bilden ein eigenes Reich und gehen teilweise Symbiosen mit Pflanzen ein.

In Kürze möchte ich für den Waldkindergarten einen ganz besonderen Pilz anschaffen: den Zunderschwamm. Als Streichholz und Feuerzeug noch nicht erfunden waren, konnten die Menschen mit ihm ein Feuer entfachen. Dazu muss der Pilz, der bevorzugt an absterbenden Bäumen wächst, allerdings noch besonders behandelt werden. Er wird gekocht, getrocknet und anschliessend in Salpeter getränkt. Ich bin gespannt!

Auch Kleidung wurde in früheren Zeiten aus Zunderschwamm hergestellt. Heilkundlich wurde er zur Wundbehandlung genutzt. Erstaunlich, denn gerade über Wunden im Baum gelangt er in den Organismus und beginnt ihn zu zersetzen.

Es ist mir in meiner Arbeit immer wichtig, den Kindern solche alten Kenntnisse näher zu bringen. So bekommen sie ein Gefühl dafür, welche Bedeutung die Natur für uns Menschen hat und wie wir sie nutzen können, ohne gleich in die Apotheke laufen zu müssen. Kinder sind auf eine natürliche Art wissbegierig und neugierig. Diese Fähigkeit können wir nutzen, um sie in die Natur einzubinden und heranzuführen.

Nun wünsche ich Euch einen schönen Herbsttag und seid gespannt auf meinen Bericht vom Lagerfeuer, das mithilfe von Zunderschwamm entfacht wird.

Bis dann,

Eure Waldtochter

 

 

 

Schätze auf dem Stoppelfeld

 

 

Einmal im Jahr haben die Waldkinder Gelegenheit, auf die Felder zu laufen. Dies ist nur möglich im Spätsommer, wenn sie abgeerntet und noch nicht frisch gegrubbert sind.

Dann wird es spannend, denn nun sind wir auf Schatzsuche! Nach was wir suchen? Nach Ton- und Keramikscherben , die dort zahllos liegen.

Aber woher kommen sie?  Die Ackerbürgerhäuser  in Bad Münder hatten um 1600/1700 fast immer einen Misthaufen, auf dem die Hinterlassenschaften der Haus- und Nutztiere sowie auch sämtlicher Unrat der Hausbewohner landete. Nun, eine Müllabfuhr im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Aber wohin damit, wenn der Misthaufen zu hoch wurde und zum Himmel stank? Diese Frage stellte ich mir gemeinsam mit den Kindern und im Handwerkerhaus des Museums gab man uns die Antwort: der Mist mitsamt zerbrochener Krüge und anderem “ Restmüll“ wurde beim Mistfahren im Winter auf die Felder rund um die Stadt gebracht.

So finden wir heute immer wieder kleine Relikte der Geschichte des Ortes. Die Kinder sind jedesmal stolz und die Scherben kommen zuhause sorgsam verwahrt in ein Schatzkästchen.

Auch Feuersteine finden wir bei dieser Gelegenheit, die hoch aus dem Norden nach der letzten Eiszeit zu uns “ geschoben“ wurden. Zwei Feuersteine aneinander schlagen, und die Kinder können staunend einen Schmauchgeruch feststellen. Einen Funken für ein winzig kleines Feuer hinzubekommen, ist nicht einfach. So lernen die Kinder Geschichte, sie be-greifen sie unmittelbar.

Also, beim nächsten Spaziergang übers  Stoppelfeld die Augen ab und zu gen Boden richten. Vielleicht findet auch Ihr etwas. Und den Drachen nicht vergessen!

Viel Spaß wünscht Euch,

Eure Waldtochter

Hier nun noch ein Link zum Bürgerhaus des Museums in Bad Münder. Eine Besichtigung unbedingt empfehlenswert, auch mit Kindern!

http://www.museum-badmuender.de/buergerhaus-von-1752.html